Von Sylvia Stam Am

In Das Heilige Jahr in der Schweiz

St. Gallen, 20.2.16 (kath.ch) Das Bistum St. Gallen nimmt anlässlich des «Jahres der Barmherzigkeit» die Tradition der bischöflichen Fastenimpulse wieder auf. Nebst Markus Büchel werden auch eine Ordensfrau und ein Rabbiner in der St. Galler Kathedrale je einen Vortrag halten, wie das Bistum diese Woche mitteilte. Letzterer spricht über die mütterliche Dimension der Barmherzigkeit.

«Die Impulse der Fastenzeit knüpfen an die Tradition der Fastenpredigten an», sagt Dompfarrer Beat Grögli auf Anfrage von kath.ch. Othmar Mäder, der von 1976 bis 1994 Bischof von St. Gallen war, habe während seiner Amtszeit unzählige Fastenpredigten in der Kathedrale gehalten. Nachdem diese Tradition eine Weile eingeschlafen war, werde sie nun im Jahr der Barmherzigkeit wiederaufgenommen: Markus Büchel spricht am Sonntag, 21. Februar, zum Thema «Barmherzigkeit – um Gottes willen!» (17. 30 Uhr)

In diesem Jahr bleibt es jedoch nicht bei den bischöflichen Impulsen: Auch der Rabbiner Tovia Ben-Chorin (28. Februar) und die Salvatorianerin Melanie Wolfers (13. März) sprechen laut Mitteilung des Bistums zum Thema Barmherzigkeit.

«Gebärmutter»

Dass ein jüdischer Referent zur christlichen Fastenzeit spricht, habe mit dem Thema «Barmherzigkeit» zu tun: «Im Hebräischen bedeutet das Wort ‹rachanim› für Barmherzigkeit eigentlich ‹Gebärmutter›», erklärt Grögli. Diese mütterliche Dimension der Barmherzigkeit sei in der jüdischen Tradition sehr präsent. Auch Jesus sei als Jude in dieser Tradition gestanden. Tova Ben-Chorin ist seit 2015 Rabbiner für die jüdische Gemeinde in St. Gallen. Zuvor war er Rabbiner der Gemeinde Or Chadasch in Zürich. Er ist der Sohn des bekannten jüdischen Journalisten und Religionswissenschaftlers Shalom Ben-Chorin.

Wolfers ist Autorin des Buches «Die Kraft des Vergebens. Wie wir Kränkungen überwinden und neu lebendig werden». Dies war der Anlass, die Ordensfrau für einen Impuls einzuladen, so Grögli. (sys)