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Von CIC Am

In Das Heilige Jahr in Rom

Rom, 1.9.15 (kath.ch) Hundert Tage vor Öffnung der Heiligen Pforte im Petersdom hat Papst Franziskus am Dienstag, 1. September, das geistliche Programm des «Jubiläums der Barmherzigkeit» konkretisiert. Während das Heilige Jahr auf weltlicher Ebene derzeit vor allem durch immer neue Hiobsbotschaften aus der römischen Stadtverwaltung für Schlagzeilen sorgt, stimmt der Papst die Gläubigen auf seine Kernanliegen von Barmherzigkeit und Verzeihen ein.

Das Heilige Jahr darf sich nicht auf Rom und Rompilger beschränken. Es muss zu einem Erlebnis auch für Christen in Ausnahmesituationen werden, etwa für Kranke oder für Strafgefangene, betonte der Papst. Der Ablass, der mit einer kurzen Pilgerprozession durch die Heilige Pforte verbunden ist, kann folglich nicht nur in den vier römischen Papstkirchen, sondern auch in allen Kathedralen der Welt, in Wallfahrtszentren und besonderen Jubiläumskirchen empfangen werden. Kranke können ihn geistig über die Medien mitfeiern, und Häftlinge können ihn in den Gefängniskapellen erlangen und beim Schliessen ihrer Zelle im Gebet mitvollziehen.

Volle Einheit mit Piusbrüdern?

Für besonderes Aufsehen sorgte das Zugehen des Papstes auf die traditionalistischen Piusbrüder. Im Vertrauen, dass «in naher Zukunft» Lösungen für eine volle Einheit erreicht würden, erlaubte er für die Dauer des Jubiläumsjahres das Beichten bei Priestern der Piusbrüder. Wer während des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit das Sakrament der Versöhnung bei deren Priestern empfange, erlange gültig und erlaubt die Lossprechung von seinen Sünden.

Das ist ein grosser Schritt und ein Entgegenkommen für eine Vereinigung, deren Sakramente bislang zwar gültig, jedoch nicht erlaubt und damit illegal waren. Nun erklärt der Papst aus pastoralem Bemühen diese Beichthandlungen für erlaubt. Konkrete Hinweise auf Fortschritte im theologischen Dialog und im Annäherungsprozess zwischen dem Vatikan und den Traditionalisten gibt es derzeit gleichwohl nicht. Aber schon bei seinen fliegenden Pressekonferenzen hatte Franziskus wiederholt den Wunsch und die Hoffnung geäussert, dass die seit 1988 bestehende Spaltung überwunden werde.

Andere Haltung als Papst Benedikt

Dabei setzt Franziskus anders als sein Vorgänger Benedikt XVI., der in einem theologischen Disput eine dogmatische Annäherung über die Gültigkeit des Konzils und des kirchlichen Lehramts erreichen wollte, auf eine pastorale Linie. Schon seit seinem Pontifikatsantritt war nicht mehr von einer Frist die Rede, in der die Piusbrüder die vorgelegte lehrmässige Präambel akzeptieren sollten – mit dem Wink, dass eine Weigerung den endgültigen Bruch bedeuten könnte.

Nun muss sich zeigen, ob dieses zeitlich befristete Geste des Papstes festgefahrene Positionen und Frontlinien aufweicht. Ob vielleicht auf diesem Weg eine Annäherung zwischen Rom und den Traditionalisten möglich wird – und auf welchen Ebenen und unter welchen Bedingungen. (cic)