Norman Zöllner

Von Norman Zöllner Am

In Das Heilige Jahr in der Schweiz

Solothurn, 14.12.15 (kath.ch) Das Bistum Basel öffnete am Sonntag, 13. November, die Pforte der Barmherzigkeit, um das Heilige Jahr in der Schweiz einzuläuten. Beim darauffolgenden Gottesdienst in der Solothurner St. Ursen-Kathedrale forderte Bischof Felix Gmür mehr Solidarität mit verfolgten Christinnen und Christen sowie den sechzig Millionen Flüchtlingen weltweit.

Sandro Bucher

Über 700 Menschen folgten der Einladung von Gmür, zusammen mit ihm ein Zeichen für eine Kultur der Verbundenheit unter den Völkern zu setzen und für Menschen, die auf der Flucht sind oder wegen ihres Glaubens verfolgt werden, hinzustehen und zu beten.

Gemeinsam mit Weihbischof Denis Theurillat und Generalvikar Markus Thürig empfing Gmür die Teilnehmenden vor der St. Ursen-Kathedrale in Solothurn und begleitete sie anschliessend beim Durchgang durch die Heilige Pforte.

Öffnung, Güte und Solidarität

«Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit möchte ich mit den Worten Öffnung, Güte und Solidarität umrahmen», so der Bischof zu Beginn des Gottesdienstes. «Wir alle haben bisweilen die Tendenz, uns einzuschliessen, abzukapseln und einzusperren. In diesen Momenten kommt Gott und öffnet uns den Himmel und das Licht. Jeder Mensch, der diese Liebe erfährt, hat ein offenes Herz vor sich.»

Christinnen und Christen seien deshalb dazu aufgerufen, diese Formen der Öffnung in ihrem Umfeld und in ihrer Familie ebenso zu leben, um Barmherzigkeit zu zeigen.

«Wie die Öffnung ist auch das zweite Wort, Güte, eine wohlwollende Einstellung gegenüber anderen Menschen», so Gmür weiter. «Während Güte eine Haltung ist, die uns als Einzelperson definiert, betrifft das dritte Wort, Solidarität, die ganze Gemeinschaft. Wir müssen solidarisch gegenüber unseren Mitmenschen und Mitchristen sein, die ihre Heimat verloren haben und auf der Flucht sind, weil sie auf ihrem Boden nicht mehr leben oder beten können.»

Bischof besucht Orte der Barmherzigkeit

Im Heiligen Jahr wird Gmür sechs Orte besuchen, an denen Barmherzigkeit gelebt werde. Unter anderem besucht der 49-Jährige im Mai 2016 das Asylverfahren- und Empfangszentrum in Kreuzlingen sowie die Portugiesische Mission in Bern; für Juni ist ein Besuch in der Gassenküche Luzern geplant.

Parallel zum Aufruf an alle Christen, sich aktiver in der Gemeinschaft zu beteiligen, solle das Heilige Jahr auch eine Zeit der Gnade für die Kirche sein und helfen, das Zeugnis der Gläubigen stärker und wirkungsvoller zu machen. Wie in der Solothurner St. Ursen-Kathedrale wurden in allen Diözesen weltweit Pforten der Barmherzigkeit als Zeichen des Aufbruchs für eine wirksamere und bedeutungsvollere Kirche geöffnet.

Ausserordentliches Jubiläum

Papst Franziskus lädt Christinnen und Christen im Heiligen Jahr dazu ein, vertieft darüber nachzudenken, wie Barmherzigkeit von Gläubigen konkret gelebt werden kann. Zudem äussert Franziskus in seiner Verkündigungsbulle vom 11. April die Hoffnung auf einen intensiveren Dialog der verschiedenen Religionen. Auch für das Judentum und den Islam stelle die Barmherzigkeit eine der wichtigsten Eigenschaften Gottes dar, führt Franziskus in seinem Schreiben aus.

Das ausserordentliche Jubiläum der Barmherzigkeit begann am 8. Dezember, dem 50. Jahrestag des Abschlusses des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65), und endet am 20. November 2016. Traditionell findet das Heilige Jahr alle 25 Jahre statt. Zuletzt hatte Papst Johannes Paul II. zur Jahrtausendwende ein ordentliches Heiliges Jahr ausgerufen. (sb)