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Von CIC Am

In Das Heilige Jahr in Rom

Rom, 25.7.15 (kath.ch) In 140 Tagen beginnt in Rom das ausserordentliche Heilige Jahr. Die Vorbereitungszeit der vom Papst kurzfristig ausgerufenen Initiative ist knapp. Zudem blockieren politische Krisen der Stadt Rom bislang Vorkehrungen für den Massenansturm.

Johannes Schidelko

Der Vatikan spricht von einem «kleinen» Heiligen Jahr, das in 140 Tagen, am 8. Dezember, eröffnet wird und bis zum 20. November 2016 dauert. Die Stadt Rom rechnet unterdessen mit einem Rekordansturm. Nach den letzten Zahlen des Sozialforschungs-Institut Censis könnten 33 Millionen Gäste zum ausserordentlichen «Jubiläum der Barmherzigkeit» in die Ewige Stadt kommen. Das wären acht Millionen mehr als zum grossen Jubiläumsjahr 2000.

Damals hatten die Stadt Rom und der Vatikan immerhin sechs Jahre lang Zeit, sich auf das Mammutereignis vorzubereiten. Diesmal sind es gerade acht Monate. Erschwerend hinzu kommen in Rom politische Wirren, Skandale und Reformstaus, die die Hauptstadt an den Rand der Unregierbarkeit bringen – und die Planungen für den Pilgerboom belasten.

Zahlreiche Grossveranstaltungen und Feiern

Unmittelbar vor Beginn der Sommerpause hat im Vatikan der für die Vorbereitungen zuständige Neuevangelisierungsrat erste Details für einige der geplanten Grosstreffen vorgelegt. Zum ausserordentlichen Heiligen Jahr sind in Rom monatlich zwei bis drei offizielle Grossveranstaltungen und liturgische Feiern geplant. Ein besonderer Andrang wird zum Jubiläum der Kinder und Jugendlichen (im Alter von 12 bis 15 Jahren) erwartet, das vom 23. bis 25. April ansteht. Dann zum Heiligen Jahr der Kranken und Behinderten (10. bis 13. Juni) und schliesslich Anfang September (2.-4. September.) zum Jubiläum der «Ehrenamtlichen und Freiwilligen im Sozialbereich». Zum Heilig-Jahr-Programm gehört auch der Weltjugendtag, der Ende Juli in Krakau stattfindet.

Hinzu kommen Jubiläumsfeiern der Priester (1.-3. Juni.), der Diakone (27.-29. Mai), der Katecheten (23.-25. September). Dabei sind regelmässig Vorträge und Gebetstreffen in römischen Jubiläumskirchen geplant, dann eine Prozession durch die Heilige Pforte in den Petersdom sowie ein Grosstreffen mit dem Papst. Manchmal kommen auch Wallfahrten innerhalb der Stadt hinzu. Für die Kinder und Jugendlichen gibt es ein grosses Fest am Olympia-Stadion.

Dezentrale Anlässe erwünscht

Dann sind etliche eintägige Heilig-Jahr-Veranstaltungen vorgesehen, etwa für die römische Kurie am 22. Februar. Oder auch für Strafgefangene; dazu will der Papst möglicherweise ein römisches Gefängnis besuchen.  Allerdings gibt es dafür noch keine offizielle Bestätigung. Und auch für die übrigen «konkreten Gesten der Barmherzigkeit», die Franziskus im Laufe des Heiligen Jahres verrichten will, sind noch keine näheren Angaben bekannt. Vermutlich wird der Papst dazu Sozialeinrichtungen wie Armenküchen oder Flüchtlingszentren in der Stadt Rom aufsuchen.

Diese Gesten sollten dann von allen Bischöfen in ihren Diözesen in ähnlicher Form begangen werden, betonen die vatikanischen Organisatoren. Denn stärker als in der Vergangenheit soll das «Jahr der Barmherzigkeit» auch dezentral in den einzelnen Ortskirchen begangen werden.

«Zeitfenster» für Besuche im Petersdom

Noch nicht bekannt ist, wie genau der Zugang zum Vatikan, zum Petersdom und der Einzug durch die Heilige Pforte organisiert werden soll. Pilger sollen dabei anders behandelt werden als blosse Touristen, lautet die Devise. Bei besonderen Anlässen, etwa dem Jubiläum der Freiwilligen oder der Kranken, ist dafür eine vorherige Anmeldung erforderlich. Der Zugang in den Petersdom soll dann ähnlich organisiert werden, wie soeben bei der Grabtuch-Ausstellung in Turin, wo Besuchern jeweils ein Zeitfenster zugewiesen wurde.

Franziskus selbst will sich das Jahr über ständig in Rom aufhalten und jeden Mittwoch und Sonntag Pilger aus aller Welt zur Generalaudienz oder dem Mittagsgebet auf dem Petersplatz begrüssen. Auslandsreisen sind – abgesehen von der zum Weltjugendtag in Krakau und vielleicht einem Besuch innerhalb Italiens – nicht vorgesehen.

Stadt Rom «im Gespräch» mit Vatikan

Mehr Sorgen bereiten unterdessen die Vorbereitungen in der Stadt. Während Rom vor dem grossen Jubiläum 2000 einer riesigen Baustelle glich, tut sich derzeit so gut wie nichts. Dringend müssten vorher manche Strassen ausgebessert oder Fussgängerzonen vorbereitet werden, um die Anreise und den Empfang der Besucher zu organisieren.

Bürgermeister Ignazio Marino versicherte jetzt am Rand eines Kolloqiums, man sei ständig mit dem Vatikan im Gespräch und starte auch eine Reihe von «Verbesserungen» in der städtischen Infrastruktur. Freilich sei die geplante zusätzliche Zuganbindung zur Bahnstation «S. Pietro» in Vatikannähe erst für Ostern 2016 zu erwarten. (cic)