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Von KNA Am

In Das Heilige Jahr in Rom

Zürch, 25.12.15 (kath.ch) Im Zeichen von Flüchtlingskrise und Angst vor Terroranschlägen haben Christen in aller Welt Weihnachten gefeiert. Papst Franziskus prangerte im Petersdom einen ungehemmten Konsum und Materialismus an und forderte einen einfachen Lebensstil. Die Barmherzigkeit sei «ein politischer Akt schlechthin» und zugleich allen Religionen eingepflanzt, sagte das Oberhaupt der lateinischen Katholiken Heiligen Land, Fouad Twal, in seiner Predigt in der Mitternachtsmesse in der Katharinenkirche in Bethlehem.

Papst Franziskus hat am 8. Dezember In Rom ein ausserordentliches Heiliges Jahres eröffnet, welches in besonderer Weise der Barmherzigkeit Gottes gewidmet sein soll.

In einer Gesellschaft, «die oft trunken ist von Konsum und Vergnügung, von Überfluss und Luxus, von Augenschein und Eigenliebe» rufe das Jesuskind zu einem «einfachen, ausgewogenen und gradlinigen Verhalten auf», sagte Papst Franziskus in seiner Weihnachtsbotschaft.

Am ersten Weihnachtstag spendete das Kirchenoberhaupt vor mehreren zehntausend Menschen auf dem Petersplatz den traditionellen Segen «Urbi et orbi» (Der Stadt und dem Erdkreis). In seiner Weihnachtsbotschaft forderte er ein Ende der Gewalt im Nahen Osten. «Wo Gott geboren wird, da wird der Friede geboren. Und wo der Friede geboren wird, da ist kein Platz mehr für Hass und für Krieg.» Der Papst verbreitete seinen Weihnachtsgruss lediglich in Italienisch.

Er rief die internationale Gemeinschaft auf, dem islamistischen Terrorismus Einhalt zu gebieten. Dieser fordere in Syrien, Libyen, dem Irak, im Jemen und in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara immer noch zahlreiche Opfer, verursache ungeheures Leiden und verschone nicht einmal das historische und kulturelle Erbe ganzer Völker. Der Papst gedachte der Opfer der Terroranschläge von Paris, Beirut, Bamako, Tunis sowie der jüngsten Massaker in Ägypten.

Töten im Namen Gottes

Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, beklagte die jüngsten Gewalttaten in der Welt. «Wir können mit Trauer sagen, dass wir unsere Menschlichkeit und unsere spirituellen Werte verloren haben.» Religion sei zu einem Motiv des Tötens im Namen Gottes geworden, anstatt zur Brüderlichkeit einzuladen.

In seiner in der vergangenen Woche vorgestellten Weihnachtsbotschaft hatte Twal angesichts der gegenwärtigen politischen Lage zu bescheidenen Weihnachtsfeiern aufgerufen und seine Besorgnis über die Situation im Nahen Osten geäussert. Der «Dritte Weltkrieg in Teilen», von dem Papst Franziskus wiederholt gesprochen habe, entfalte sich «vor unseren Augen in unserer Region». Als Kern der gegenwärtigen Krise bezeichnete der Jordanier den Syrienkrieg. Die Zukunft des Nahen Ostens hänge von der Lösung dieses Konflikts ab.

Weniger Menschen in Bethlehem

Begleitet von hohen Sicherheitsvorkehrungen hatten die Weihnachtsfeierlichkeiten Donnerstagmittag mit dem traditionellen Einzug des Patriarchen in Bethlehem begonnen. In einem Konvoi fuhr Twal von der Jerusalemer Altstadt zur Geburtsbasilika. Am Weg des Patriarchen und auf dem zentralen Krippenplatz hatten sich deutlich weniger Menschen als in den Vorjahren versammelt. Auf den Dächern waren palästinensische Scharfschützen postiert.

«Frohe Weihnachten» – ein Missklang

In Bagdad sagte der chaldäische Patriarch Louis Raphael Sako den traditionellen Weihnachtsempfang von Politikern und religiösen Repräsentanten im Patriarchat ab. Der Wunsch «Frohe Weihnachten» würde seltsam klingen angesichts von Zehntausenden Christen auf der Flucht, hiess es zur Begründung.

In Frankreich hatte die Regierung nach den Pariser Terroranschlägen vom 13. November strikte Sicherheitsregeln für Gotteshäuser angekündigt. Uniformierte waren vor vielen Kirchen präsent. Im nordfranzösischen Lens übernahmen Muslime laut Medienberichten symbolisch die Überwachung eines Heilig-Abend-Gottesdienstes. Am Ende habe es Applaus für sie gegeben.

In Grossbritannien beklagte das Oberhaupt der anglikanischen Kirche, Erzbischof Justin Welby, eine geplante Auslöschung des Christentums im Nahen Osten. Der «Islamische Staat» (IS) säe Furcht, Gewalt und Hass, sagte der Erzbischof von Canterbury. Er bezeichnete den IS laut Medienberichten als «den Herodes von heute». König Herodes hatte laut Bibel den Kindermord von Bethlehem in Auftrag gegeben.

Muslime schützten Kirchen

Auch in Indonesien unterstützten die grössten islamischen Massenorganisationen Polizei und Armee dabei, rund 33.000 Kirchen vor Anschlägen radikaler und terroristischer Gruppen zu schützen. Zuvor hatte es Berichte über mögliche Attentate gegeben.

Ein führender Repräsentant der katholischen Kirche Ungarns wandte sich indirekt gegen die Flüchtlingspolitik der Regierung Orban. «Politiker können eine abwehrende Haltung in der Migrationsfrage nicht mit der Verteidigung des christlichen Europas begründen», sagte der Erzabt der Benediktinerabtei von Pannonhalma, Imre Asztrik Varszegi, in einem Weihnachts-Interview.

Polens katholische Kirche rief zu einer Beilegung des politischen Konflikts um die Reform des Verfassungsgerichts auf. Ohne den Streit beim Namen zu nennen, sagte der Vorsitzende des Episkopats, der Posener Erzbischof Stanislaw Gadecki, in seiner Weihnachtspredigt, die Polen sollten das «Geheimnis der Bosheit» besiegen und «Baumeister des Friedens» werden. «Der Frieden fehlt heute stark in unserem christlichen Heimatland.» (kna/cic)