Georges Scherrer

Von Georges Scherrer Am

In Das Heilige Jahr in der Schweiz

Einsiedeln SZ, 18.11.15 (kath.ch) Zum Heiligen Jahr lässt sich das Kloster Einsiedeln etwas Besonderes einfallen. Er wird eine Heilige Pforte vor dem Haupteingang der Klosterkirche aufstellen. Der Informationsbeauftragte der Kloster, Pater Lorenz Moser, erklärt im Interview mit kath.ch Bedeutung und Beweggründe für diesen Entscheid.

Georges Scherrer

Papst Franziskus hat am 11. April 2015 offiziell das «Heilige Jahr der Barmherzigkeit» ausgerufen. Ein solches Jahr findet in der Katholischen Kirche traditionell alle 25 Jahre statt. Ziel ist die Erneuerung des Glaubens, ebenso ist ein besonderer Ablass mit dem Heiligen Jahr verbunden. Das Heilige Jahr beginnt offiziell am 8. Dezember 2015 und endet am 20. November 2016.

Das Kloster Einsiedeln stellt zum Heiligen Jahr eigens eine Heilige Pforte auf: Wo soll sie stehen und wie gross ist sie ?

Lorenz Moser: Die Pforte der Barmherzigkeit wird rund acht Meter vom Hauptportal der Klosterkirche entfernt auf dem oberen Teil des Klosterplatzes zu stehen kommen. Damit bekommt sie in gewissem Sinn den Charakter einer Skulptur und macht so an prominenter Stelle auf das Heilige Jahr aufmerksam. Sie wird 2,5 Meter hoch und 1,8 Meter breit sein. Nebenan befindet sich eine Infotafel und bei den Eingängen der Klosterkirche sind weitere Informationen erhältlich.

Können Sie beschreiben, wie sie aussehen soll?

Lorenz: Sie besteht aus drei gefrästen Sandsteinblöcken, welche mit einem Sandstrahler behandelt wurden. Zudem ist oberhalb des Durchgangs ein einfaches, in den Stein gehauenes Kreuz geplant.

Warum ist sie aus Sandstein und nicht etwa aus Holz, von dem es um das Kloster so vieles gibt?

Moser: Aus einem praktischen und einem ästhetischen Grund: Der Stein ist witterungsbeständig, während das Holz in kurzer Zeit nicht mehr so schön aussieht. Zudem soll die Pforte durch die Wahl eines edleren Baustoffes eine gewisse Würde ausstrahlen. Auch besitzt sie so die nötige Stabilität und ist relativ unanfällig gegen Vandalenakte. Die Klosterfassade besteht vollständig aus Sandstein und so passt die Heilige Pforte aus dem gleichen Material perfekt auf den Klosterplatz.

Was ist der tiefere Sinn davon, dass diese Sandsteinblöcke vor einer Eingangstür der Klosterkirche aufgestellt werden?

Moser: Die Pforte weist so den Weg zur Klosterkirche, hin zur Begegnung mit Jesus Christus in der Feier der Sakramente.

Warum hat sich das Kloster entschieden, die Heilige Pforte quasi zu verdoppeln?

Moser: Eine Verdopplung ist nicht gedacht, sondern man hat sich aus einem praktischen Grund für diese Variante entschieden: Die Klosterkirche hat drei Eingänge. Die beiden Seiteneingänge der Klosterkirche sind eigentlich die Haupteingänge, da das Hauptportal nur selten geöffnet wird. Jedem Besucher und jeder Besuchern soll es freigestellt sein, ob sie die Heilige Pforte durchschreiten will oder nicht. Zudem sollte die Heilige Pforte eine Tür sein, die sonst nicht gebraucht wird – und eben nur fürs Heilige Jahr geöffnet wird. Deshalb eignen sich die beiden Seiteneingänge der Klosterkirche nicht dafür. Das Hauptportal kann im Winterhalbjahr wegen der Kälte nicht geöffnet werden und steht damit auch nicht als Heilige Pforte zur Verfügung. Aus diesen Gründen hat man sich für die Errichtung einer neuen Heiligen Pforte entschieden.

Was geschieht mit dieser Pforte nach Abschluss des Heiligen Jahres?

Moser: Das wurde noch nicht entschieden. Man könnte sie für zukünftige Heilige Jahre aufbewahren oder auch als Rohmaterial für zukünftige Arbeiten in Sandstein gebrauchen. Als Heilige Pforte dient sie ja nur von der Einweihung durch Abt Urban bis zum Ende des Heiligen Jahres.

Gibt es einen Bezug zwischen den Sandsteinblöcken und der Gnadenkapelle?

Moser: Keinen direkten. Im Sommerhalbjahr wird jedoch das Hauptportal für den Einzug der grossen Wallfahrten geöffnet, dann führt von der Heiligen Pforte ein direkter Weg zu Gnadenkapelle.

Welche Rolle spielt die Gnadenkapelle im Heiligen Jahr?

Moser: Die Gnadenkapelle ist das spirituelle Herz Einsiedelns und wird im Rahmen der Wallfahrten auch im Heiligen Jahr eine zentrale Rolle spielen. Darin befindet sich das Gnadenbild Unserer Lieben Frau von Einsiedeln, welche seit vielen Jahrhunderten als «Mutter der Barmherzigkeit» angerufen wird. Die Gnadenkapelle wird dann 2017 etwas stärker ins Bewusstsein gerückt, wenn «200 Jahre Gnadenkapelle» gefeiert werden. Sie wurde nach der Zerstörung durch französische Soldaten 1798 in ihrer heutigen klassizistischen Form 1817 wieder aufgebaut. (gs)